Dienstag, 30. September 2008

+++ News +++ News +++ News +++ News +++

Der Medienkultur-Blog wird hypermedial! Das zeitweilige Hoch- und Runterscrollen auf dieser Seite könnte mit dem ein oder anderen filmischen, bildlichen oder musikalischen Zeugnis vergangener und heutiger Medienkultur belohnt werden. Auch bestehende Artikel wurden hypermedialisiert!

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Mein aktuelles Buch "Medienkultur im Wandel. Autorschaft im Web 2.0" ist nicht nur bei vielen Internet-Buchändlern erhältlich, sondern ab sofort auch über den Weltbild-Vertrieb und die Myersche Buchhandlung zu beziehen!

Es ist außerdem in den Bestand der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf aufgenommen worden.

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In Planung steht die Teilnahme an der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, DGPuK, am 29. April-01. Mai 2009 in Bremen. Die Tagung trägt den gleichen Titel wie mein aktuelles Buch "Medienkultur im Wandel".

Mittwoch, 24. September 2008

"Irgendwann stellst Du fest: Das wird alles verändern!"

Steve Jobs hat ganze Arbeit geleistet. iPods und Mac-Books verkaufen sich wie Brennholz, an der Wall Street zeigt man sich zufrieden und auch im Silicon Valley denkt lange keiner mehr an die Zeit zurück, in der Apple vom großen Bruder Microsoft überrannt wurde. Niemand hat wirklich an Apple geglaubt, doch Steve Jobs belehrt jeden Ungläubigen eines Besseren. Jetzt zieht er das nächste und wohl größte Ass aus dem Ärmel: Das iPhone. Bald schon schleicht es dem Business-Image davon und vibriert nach Aufmerksamkeit heischend in den Taschen der Otto-Normalverbraucher. Nicht Termine und Kontakte werden mehr verwaltet, Emails geschrieben und Börsenkurse verfolgt; in Zukunft werden Fun-Videos und Musikclips heruntergeladen, Community-Seiten aufgesucht, soziale Netzwerke ausgesaugt und Games gespielt– von überall, zu jederzeit. Möglich machen das Subventionierungen von Seiten der Mobilfunk- und Internetanbieter. Das iPhone wird so immer günstiger und wandelt sich auf diese Weise immer mehr vom Prestige-Objekt in einen trendigen Alltagsbegleiter. Den Apple-Funktionären dürfte diese Entwicklung nur Recht sein.
Seit einigen Werbespots wird die intuitive Handhabung des iPhones und die Bereicherung des alltäglichen Lebens propagiert. Doch Apple musste schon ihren letzten Werbespot wegen Irreführung ändern. So versprach der Computerriese Zugriff auf „das ganze Internet“, doch der Verzicht auf Java und Flash schränkt das grenzenlose Surfen erheblich ein, da sich eine Vielzahl von Internetseiten nur mit entsprechend ausgerüsteten Browsern betrachten lassen. Auch Apples einstige Kampagne zum Power Mac G5 (2004) wurde wegen dem Slogan „the world´s fastest computer“ kritisiert. Rhetorik, Vision und Wahrheit liegen bei Apple weit auseinander. Und so geht die penetrante Du-Anrede der nach Verbündung bettelnden Stimme in den Apple-Spots weiter. Und die untermalende Musik mimt die heile Welt. Die Welt wird sicher nicht heiler, doch sie wird um ein weiteres Gadget reicher.
Schnell fühlt man sich an die McLuhanschen „Extensions of Men“ erinnert. So würden nach McLuhan elektronische Medien die menschlichen Sinne erweitern und letztlich die Grenzen von Raum und Zeit überwinden helfen. Das Fernrohr erweiterte einst das Auge und ermöglichte eine menschenunmögliche Vergrößerung von Objekten, das Fernsehen brachte uns Ereignisse aus aller Welt zu jeder Zeit ins heimische Wohnzimmer und ließ uns an historischen Großereignissen kollektiv teilhaben, verwandelte die Welt in eine „globales Dorf“. Das Telefon war zu dieser Zeit ja längst schon veraltert. Sprechen und Hören, das Empfangen und Senden von akustischen Informationen gehörte längst schon zum Inventar der Medienkultur. Umso erstaunlicher, ja fast schon ironisch mutet die Renaissance des Telefons an. Sicherlich, heute ist es mobil. Aber, für wen ist mobiles Telefonieren heute noch etwas Besonderes? Es ist zweifellos das Internet, respektive Web 2.0, was das Handy derzeit so attraktiv macht. Getreu dem Vodafone-Motto: „Das echte Internet ist jetzt mobil“, brauchte es wohl erst das Internet, um das Handy wieder ins Gedächtnis zu rufen – oder ist es umgekehrt? Hübsch anzusehen, wie sich die technischen Revolutionen die Bälle zuspielen. Doch reden wir hier überhaupt über technische Revolutionen? Sind es wirklich Neuerungen, die uns Apple und Co. als solche verkaufen wollen?
Die iPods und ihre Ableger sind mittlerweile ständiger Begleiter, nicht nur von technikaffinen Menschen. Doch mitschneiden kann man diesen hochmodernen Geräten nicht. Was bei einfachen Kassettenrecordern schon im Namen steckt – das Aufnehmen - und seit Anbeginn der Geräte mitgedacht wurde, bleibt dem Nutzer von hochmoderner Apple-Technik verwehrt. Ein Schritt in die Vergangenheit? Klar, wer braucht angesichts eines USB-Anschlusses noch eine Rec-Taste, die das Aufnehmen von Musik erlaubt? Erst das iPhone scheint dem Abhilfe zu schaffen: Jetzt hat die Rec-Taste endgültig ausgedient. Sie wird vom virtuellen Download-Button ersetzt. Inhalte jeglicher Art werden dank hochleistungsfähiger UMTS-Netze in der 3G-Version des iPhones sprichwörtlich in Windeseile heruntergeladen. Und der Live-Mitschnitt des hautnah miterlebten Konzertes ist längst in hervorragender Ton- und Bildqualität zu haben. Aufnahmewürdige Veranstaltungen werden heute längst nicht mehr über die menschlichen Sinne aufgenommen. Sie werden mitgeschnitten, um sie vielleicht zu Hause oder mit anderer Begleitung in schönerem Ambiente, und vielleicht zu einer menschlicheren Uhrzeit und vor allem in aller Ruhe genießen zu können.
Schaut man sich die automatisierten Armbewegungen der Handy zückenden Massen bei Events jeglicher Art an, wird man den Verdacht nicht los, dass hier nichts „sinnliches“ mehr am Werk ist. Hier wird nichts mehr miterlebt. Hier werden keine Bilder mehr im Kopf gespeichert. Hier findet die Speicherung auf Flash-Karten statt, die das Leben festhalten, es dokumentieren. Beinahe so, als müsste man anderen oder gar sich selbst beweisen, dass man dort war, dass man teilgenommen hat am Leben, getreu dem Motto: Ich war dabei. Und was passiert, wenn die Speicherkarten gelöscht werden? Memory Erase? Life Error?
Auf den Bahnstrecken der Zukunft erfreut man sich nicht mehr eines grünen Baumes, den man passiert, macht keine überraschenden Entdeckungen mehr der Sorte: Das Haus passt hier nicht hin. Die iPhones propagieren uneingeschränkte und grenzenlose Kommunikationsmöglichkeiten. In Wahrheit sind sie das Instrument der Kommunikationsverweigerung. Und auf genau das scheinen insbesondere Bus- und Bahnfahrer lange gewartet zu haben. In Zukunft muss man sich nicht mehr der peinlichen Stille, des ungewollten Schweigens und der Angst machenden Möglichkeit der Kontaktaufnahme mit anderen Mitreisenden ausliefern. Die Stille wird einfach übertönt. Das Schweigen einfach mit sich selbst gebrochen. Die Kontaktaufnahme mit dem Gegenüber einfach verweigert – aus gutem Grund. Mein iPhone. Es klingelt nicht. Aber ich muss ja auch nicht mehr abheben um mich abzusondern.
In Zukunft heißt es nicht mehr, den Hörer abzuheben, sondern selbst abzuheben vom Boden der Realität. Eintauchen in die Weite des virtuellen Universums. Vielleicht ist dieses Abheben einfach Ausdruck einer Sehnsucht nach Ferne, nach Geborgenheit, Glück, Unsterblichkeit. Doch wie sterblich und verletzlich der Mensch ist, das wird er erkennen. Spätestens wenn sich die Flashkarten löschen. Das machen sie eh meist von selbst. Dann sind die Erinnerungen weg. Dann ist geschwärzt, was einmal in bunten Farben vor dem Auge flimmerte, dann ist verstummt, was einmal in schillernden Tönen die Ohren massierte, dann ist erloschen, was man einmal glaubte, erlebt zu haben.
Vielleicht täte man gut daran, mit dem Handy die notwendigen Dinge zu tun („Nur so´n Gedanke“, um eine weitere iPhone-Werbung zu zitieren). Dann ist es eine Erleichterung. Und vielleicht wäre es sinnvoll, auch dem iPhone jenen Respekt vergangener Tage zu zollen und einfach nur abzuheben (bzw. ran zu gehen), wenn es klingelt. Falls es klingelt.
„All die Jahre ist man rumgelaufen, ohne seine Emails so in der Hosentasche zu haben, ohne Börsenkurse so abrufen zu können, und ohne das Internet so dabei zu haben“, heißt es wieder einmal locker und leicht im iPhone-Werbespot. Und der säuselnde Sprecher muss selber feststellen: „Und man hat überlebt!“ Die nachfolgende Ergänzung: „Die Frage ist nur: Wie?“ mutet fast ein wenig selbstironisch an. Natürlich hat man überlebt. Das weiß Apple sehr genau. Die Frage lautet eher: Wie leben wir weiter? Die neuste der unzähligen Versionen des iPhone-Werbeclips wiegt sich in Sicherheit: „Irgendwann stellst Du fest: Das wird alles verändern.“ Warten wir´s ab!

Dienstag, 9. September 2008

Schiller live in Bonn: Eine Ode an die Freude!

"Leben heißt träumen, weise sein heißt angenehm träumen." Geht es nach den Worten von Friedrich Schiller, müssen die Besucher des Schiller-Konzertes am Samstag in Bonn besonders weise gewesen sein – so angenehm haben sie geträumt. Grund dafür war ein atemberaubendes Klangkonglomerat aus Pop-, Rock-, Indie- und Trance-Elementen, welches seine Wirkung tat: Menschen jenseits der 30 rissen die Arme in die Luft, wippten unbedarft von einem Bein aufs andere, schlossen für kurze Momente die Augen oder zückten intuitiv einsame Feuerzeuge. Jeder einzelne hat sein ganz persönliches Fest gefeiert, seine eigene Reise ins Innere angetreten, getrieben von der Sehnsucht nach Klängen, Melodien und Beats.

Wer Schiller auf der Sehnsucht-Tour live erleben durfte, der konnte sich davon überzeugen, dass die Klänge klarer waren als Kristall. Die Stimmen von Jette von Roth, Kim Sanders und Jael glichen einem geschliffenen Diamanten, der die Augen der Besucher zum funkeln brachte. Ein kleines Lächeln auf ihren Lippen legte Zeugnis davon ab, wie angenehm der Traum gewesen sein muss. Zweifellos ist Schiller das, was Produzent Christopher von Deylen als „elektronische Musik mit Seele“ verstanden wissen will. Doch auf der Bühne ist Schiller mehr als nur ein nebulöses Musikprojekt. Schiller präsentiert sich als ausgereifte Band. Syntheziser treffen auf Akustik- und E-Gitarre, elektronische Drums auf solides Schlagzeug. Auch wenn der Frontmann und Produzent betont: „Ich bin Christopher von Deylen und ich bin Schiller“, sind es die Bandmitglieder und die musikalischen „Gäste“, die Schiller komplettieren. Jeder einzelne verfügt über eine Aura, die den Zuschauer und Zuhörer in seinen Bann zieht. Der Mix aus akustischen und elektronischen Klängen schafft eine Atmosphäre, in der Länder eine globale Einheit bilden, in der Vergangenheit und Zukunft im Augenblick des Hörens aufeinander treffen. Ort und Zeit sind eins bei Schiller. Besonders spürbar beim Klassiker „Glockenspiel“. Die Live-Interpretation des Songs war von musikalischer Effektivität und schlichter Schönheit geprägt und sorgte an diesem Abend einmal mehr für fernöstliche Magie in der Luft.

Das Live-Konzert von Schiller war ein audiovisuelles Gesamtkunstwerk, die Reihenfolge der Stücke nahezu perfekt. Dass auch die Band einen ungeheuren Spaß hatte, trug zu einem ebenso begeisterten Publikum bei. Gleich zwei Zugaben gönnte Schiller den jubelnden Fans, welche völlig außer sich schienen vor Freude. Zwei Mal zeigten Schiller dann, was noch in ihnen steckt, schmetterten lauter als zuvor – und das nicht weniger virtuos. Am Ende konnte die Band um Christopher von Deylen ihr Glück wohl kaum fassen, schüttelten dankend die Köpfe.

Dem Besucher bot sich da an jenem Abend des 06. September 2008 auf dem Vorplatz des Kunstmuseums in Bonn – einer maßgeschneiderten Location - wahrlich der Musik gewordene Schiller, musikalische Lyrik par excellance, ein Klangerlebnis der besonderen Art. Welch eine Ode an die Freude! Oder doch an die Sehnsucht?

Dienstag, 2. September 2008

Hurra Hurra, mein Buch ist da!

Mit Stolz darf ich dem geneigten Leser dieses Weblogs verkünden: Mein Buch ist ab jetzt käuflich zu erwerben! Nachfolgend gibt es Details, den Original-Klappentext und die Links. Über eine Rezension würde ich mich natürlich unglaublich freuen.

Bis heute stehen Medien- und Literaturwissenschaftler gleichermaßen vor dem Problem, die Bedingungen und Facetten von Autorschaft fachübergreifend zu formulieren. Der Autor Christian Hensen geht der Frage der Autorschaft in neuen Medien nach und legt den Fokus auf das kontrovers diskutierte und vielfach zitierte "Web 2.0". Durch eine Gegenüberstellung der foucaultschen Frage "Was ist ein Autor?" mit der von Verleger Tim O´Reilly "Was ist Web 2.0?" gewinnt der Autor einen interdisziplinären Zugang zum Autorbegriff und verhilft ihm zu einer Neudefinition, welche dem gegenwärtigen Wandel der Medienkultur Rechnung trägt. Auf diese Weise wird der vorwiegend aus Marketing-Kreisen bekannte Begriff "Web 2.0" erstmalig einer kulturwissenschaftlichen Analyse unterzogen. Anhand konkreter Web 2.0-Plattformen wie Weblogs, Wikis, Videoportale und soziale Netzwerke wird eine Typologie des Autors entwickelt und so der Theoriediskurs mit der Medienpraxis konfrontiert. Dabei werden wichtige Web 2.0-Praktiken wie Verlinkung, Indexierung und Ranking in die Untersuchung einbezogen. Das Buch richtet sich an Medien- und Kulturwissenschaftler, ebenso wie an Literaturwissenschaftler und Germanisten.

Broschiert: 156 Seiten
Verlag: Vdm Verlag (August 2008)
ISBN-10: 3639077024
ISBN-13: 978-3639077025
Größe und/oder Gewicht: 22 x 15 x 0,9 cm

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Sonntag, 31. August 2008

Die Antithese des Schreckens

Wer erinnert sich nicht an die Frage aller Fragen. Im Film wurde sie 1946 scheinbar zum ersten Mal gestellt. Falsch. Eigentlich wurde sie gar nicht gestellt. Der ganze Film hat sie sich zu Eigen gemacht, sie einverleibt. Die Frage selbst blieb ungestellt, unausgesprochen, und vor allem unbeantwortet: „Ist das Leben nicht schön?“ Die Schauspieler James Stewart und Donna Reed würden die Frage wohl nicht ohne weiteres bejahen. Nicht nachdem George Bailey vor dem finanziellen Ruin stand, seinen Lebensmut verlor und dem zu seiner Hilfe erschienenen „Engel Clarence“ rät, seine Identität am liebsten ganz auszulöschen. Gesagt getan. Keiner seiner Freunde kennt ihn mehr, selbst für seine Familie ist George ein Fremder. Sein Haus, seine Frau, seine Kinder existieren nicht ohne ihn. Kann das Leben nicht doch schön sein?
Roberto Benigni schrie die Antwort 1997 mit voller Überzeugung, voller Inbrunst und Lebensfreude aus sich raus: „Das Leben ist schön“! Hat es dafür wirklich 70 Filmjahre gebraucht? Wenn man ehrlich ist, stellt man nach diesem Film auch dieses Diktum wahrlich in Frage. Wie kann das Leben schön sein, wenn Menschenmassen deportiert, Familien auseinander gerissen und Kinder getötet werden. Schnell fühlt man sich an Louis Armstrongs „What a wonderful World“ (1967) erinnert. Als dieses Lied die grausamen Bilder von Toten und Explosionen im Film „Good Morning Vietnam“ (1987, mit Robin Williams) „untermalt“, mutet die Schönheit dieses Liedes so tragisch und schwer an. Ein Lied, das die Bilder ästhetisiert und so die Absurdität des Krieges jedem Zuschauer schonungslos vor Augen führt. What a wonderful World.



Doch hat nicht gerade die Abscheulichkeit und Tristesse ein wenig Schönheit verdient? Kann nicht ein kleines Lied ein großes Leid wie selbstverständlich lindern? Die Frohnatur Guido spielt seiner „geliebten Prinzessin“ Dora im Konzentrationslager jenes Stück von Jacques Offenbach (aus Hoffmanns Erzählungen) über die Lautsprecher, das sie beide gemeinsam in der Oper gehört haben. Im Lager sind die beiden räumlich weit voneinander getrennt. Auch im Opernhaus können die beiden nur Blickkontakt aufnehmen. Das Stück zieht ein Band zwischen ihnen, verbindet sie, schweißt sie zusammen. In der Oper wie im Lager. Die Bacarole. Welch eine Schönheit, was für eine „gewaltige“ Rhetorik.



In „Zeit des Erwachens“ mit Robin Williams und Robert de Niro spielt die Musik gar eine Doppelrolle. Die geistesabwesenden Patienten, welche unter einer unerforschten Schlafkrankheit leiden, hören vielleicht die Musik, die ihnen Dr. Sayer vorspielt. Genau aber weiß das niemand. Auf jeden Fall hört sie der Zuschauer, und sie verleiht dem Schicksal der Menschen eine friedliche Ruhe. Nachdem ein Heilmittel die Patienten kurzzeitig aus ihrem Schlaf erwachen lässt, bringt sie die Musik zum Tanzen. In der Welt der Wachen kommen die Patienten jedoch nicht zurecht, sie erleiden einen Rückfall. Für sie scheint die friedliche Ruhe Erlösung. Und die Musik spielt weiter. Auch für den Zuschauer.
Im Jahr 1985 erschien der Song „Wonderful Life“ der britischen Gruppe „Black“. Lange vor Benignis „Das Leben ist schön“ flossen unzählige Tränen, die nicht wussten, ob sie des Lachens oder des Weinens wegen ihre Sache tun. Genau zehn Jahre später exportierten die Schweden Ace of Base wahre Lebenslust in die Radios und sangen „It´s a beautiful Life“. Drei Jahre später setzten sie einen drauf. „Life is a Flower“ hieß es dann völlig unverblümt. Hier bestand kein Zweifel: Diese Botschaft war eindeutig.



Manchmal liegt die Wahrheit wohl irgendwo dazwischen. Es gibt unsagbar viel Unrecht und Leid auf der Welt. Doch so lange es Filme gibt wie „Das Leben ist schön“, Stücke wie Offenbachs Bacarole oder Songs wie Blacks „Wonderful Life“ gibt es nur die eine Wahrheit: Das Leben ist schön! Dann sind es die kleinen Dinge, denen man Aufmerksamkeit schenken sollte: „I see Trees of Green, red Roses too. I see them bloom for Me and You, and I think to myself: What a wonderful World.” Der Filmklassiker um George Bailey und Engel Clarence gibt im englischen Originaltitel die Antwort selbst: „It´s a wonderful Life“ heißt der nämlich auch.

Dienstag, 26. August 2008

Der Relaunch der Bibel

"Groß sind die Werke des Herrn; wer ihrer achtet, der hat eitel Lust daran." (AT, Kap. 111, Vers 002). Eine ähnliche Lust muss wohl auch der Schauspieler Ben Becker derzeit verspüren, bringt er doch das Buch der Bücher in einer dreistündigen "konzertanten Performance" auf die Showbühne. Es sei "Ben Beckers göttliches Come Back", schreibt der Spiegel. Vanity Fair überschlägt sich vor Begeisterung: "Jesus mag Gottes Sohn sein, aber Ben Becker ist seine Stimme." Und die Welt bleibt lieber bei den Fakten: "Das Bühnenspektakel riss die knapp 3000 Zuschauer im Tempodrom vor Begeisterung von den Sitzen.“ Bereits 1996 brachte Ben Becker die Bibel ins Fernsehen, spielte Prinz Sidqa im Film "Die Bibel - Samson und Delila", jetzt musikalisiert, ja instrumentalisiert er sie - im "wahrsten" Sinne des Wortes. Und was wahr und falsch ist, das wusste Jesus gewiss, doch weiß das auch Ben Becker? Was dürfte der Zimmermann von einst wohl zum Schauspiel Beckers, zum "Relaunch" der Offenbarungen Gottes sagen? Während Jesus durch Nazareth, Jerusalem und Judäa pilgerte, tourt Ben Becker durch Kiel, Hannover, Köln, Dortmund, Leipzig, Dresden, Hamburg, Stuttgart, München. Auch ihm dürften seine Jünger folgen. Ob die Verkündung des Glaubens auf fruchtbaren Boden fällt, ist fraglich. Die musikalische Überbringung der "Frohen Botschaft" dürfte dem Deutschen Filmorchester Babelsberg zweifellos gelingen. Der Name der begleitenden Band Beckers "Zero Tolerance" klingt dagegen eher mephistophelisch als göttlich. Und wenn die Show für die Besucher nur das "kleine Senfkorn Hoffnung" ist, so scheint sie für Ben Becker gleichwohl die Erfüllung. Ben Becker. Ein Virtuose der Bühne oder doch eher ein enfant terrible? Er spielte an der Seite namhafter Schauspieler, sang mit Xavier Naidoo bei Schiller und spricht nun mit tiefer Stimme das Wort Gottes. Fühlt er sich doch zu Höherem als Pop berufen? Es scheint vielmehr, als mache er aus dem Höheren selbst Pop. "Die Bibel - live", preist RTL an, "Best of Bibel" heißt seine Doppel-CD, "Die Bibel - eine gesprochene Symphonie" ist der pathetische und großspurige Titel seiner DVD, und die Internetseite gotteslästert (? bzw. nennt) sich "bibel2008.com". "Relaunch" wird die Auferstehung des Ben Beckers ins Moderne übersetzt. Im Alten Testament heißt es "Du wirst dich nähren deiner Hände Arbeit; wohl dir, du hast es gut." (Kap. 128, Vers 002). Wie wahr, was in der Bibel steht geschrieben.